
Beim Trockenwerden ist es schnell passiert: Dein Kind braucht Zeit, bis es nachts rechtzeitig merkt, wenn es auf die Toilette muss. Und auch nach der Windelzeit kann es vorkommen, dass das Bett nass wird. Aber ab wann sprechen wir von Bettnässen? Was erleichtert dir und deinem Kind den Umgang mit dem Thema und wie kannst du dein Kind unterstützen, nachts trocken zu werden? Wir haben mit den Expertinnen Kinderärztin Dr. Nikola Klün und Kinderpsychologin Melanie Schüer zu diesem Thema gesprochen.
Bettnässen: Definition und Überblick
Wenn Kinder nachts einnässen, spricht man auch von einer Enuresis – und zwar dann, wenn dein Kind mindestens fünf Jahre alt ist, über einen Zeitraum von drei Monaten regelmäßig mindestens einmal im Monat einnässt und keine anderen Auslöser wie Harnwegsinfekte oder sonstige Erkrankungen vorliegen. Dabei wird zwischen primärer und sekundärer Enuresis unterschieden:
Dabei ist das Einnässen bei Kindern keine Seltenheit: Es betrifft rund 8 % der Kinder zwischen 4 und 12 Jahren². Das sind rund 681.000 Kids allein in Deutschland. Du siehst also, ihr seid nicht allein! Gib dieses Gefühl auch an dein Kind weiter und unterstütze es.
Ursachen der Enuresis
Der häufigste Grund des nächtlichen Einnässens ist eine verzögerte Reifung der Blasenkontrolle, an der das Gehirn, die Nerven, die Blase und die hormonelle Entwicklung beteiligt sind. Oft liegt die Veranlagung zum Bettnässen in der Familie. Seltener können auch emotionale Gründe wie Stress, Veränderungen im Leben oder Traumata dahinterstecken, insbesondere bei einer sekundären Enuresis.
Wichtig: Lasse in jedem Fall die Ursache durch den Kinderarzt oder die Kinderärztin abklären, um andere Erkrankungen auszuschließen. Er oder sie kann beraten und Therapievorschläge machen. Oft ist das Bettnässen nur eine Phase, dennoch ist in dieser Zeit Unterstützung wichtig.
Du möchtest mehr über die Ursachen der Enuresis wissen? Antworten auf deine Fragen gibt’s in unserem Artikel.
Bettnässen bei Kindern: Herausforderung für die ganze Familie
Mein Kind nässt wieder ein, mache ich etwas falsch? Diese Frage stellen sich viele Eltern, wenn ihr Kind nachts ins Bett macht. Denn neben zusätzlichen Waschladungen und Schlafmangel spielen bei Bettnässen oft auch negative Gefühle eine Rolle. Die Kinder wiederum schämen sich oft, haben Angst, als „Bettnässer“ ausgelacht zu werden oder davor, einzuschlafen. Wie groß die Belastung sowohl für Kinder als auch Eltern ist, zeigen die Ergebnisse unserer Umfrage:³
Hinzu kommt, dass viele Familien sich nicht trauen, über Bettnässen zu sprechen – oft nicht einmal mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt und engen Vertrauten:
Unser Rat: Stelle dir nicht die Frage nach der „Schuld“ – denn die trägt beim Bettnässen niemand. Vielmehr geht es darum, den Alltag zu erleichtern und das Kind zu unterstützen, nachts trocken zu werden. Ein Austausch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt und engen Vertrauten ist ein wichtiger erster Schritt zu mehr Entspannung.
Den Alltag zu reflektieren, kann dabei ebenfalls sinnvoll sein, wie Kinderpsychologin Melanie Schüer erklärt: „Es ist gut, wenn Eltern überprüfen, was sie beitragen und ändern können, um bei einer Enuresis zu helfen – etwa den Druck rausnehmen beim Thema Sauberkeitserziehung, mehr Ruhepausen ermöglichen oder nicht zu viel Flüssigkeit am Abend.“ Die Expertin schlägt zudem vor, etwa bei Paar- oder Familienkonflikten, auch eine Beratungsstelle aufzusuchen, um so dem Stress den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Mein Kind nässt (wieder) ein: Wie kann ich helfen?
Auch wenn die Belastung groß ist, ist es wichtig, keinen Druck aufzubauen – Bestrafung oder Schimpfen verschlimmern das Problem des Einnässens bei Kindern oft noch. Schließlich machen diese nicht mit Absicht nachts ins Bett. Reagiere mit Verständnis, höre zu und unterstütze dein Kind. „Jede kleine positive Veränderung, jeder erfolgreiche Toilettengang und jede trockene Nacht sollten sehr wertgeschätzt werden“, betont Melanie Schüer. Wichtig sei ein möglichst unaufgeregter Umgang mit dem Bettnässen. Eltern sollten dem Kind das Gefühl geben, dass es nicht allein mit den Schwierigkeiten ist und es Lösungen gibt. Die wichtigste Botschaft sei dabei: „Das schaffen wir gemeinsam!“
Die Tipps der Expertinnen bei Enuresis:
Was kann ich noch gegen das Bettnässen unternehmen?
Führen all diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, kann laut unseren Expertinnen auch eine sogenannte Klingelmatte oder Klingelhose zum Einsatz kommen, die dein Kind bei Urinabgang weckt und ihm so beibringt, Harndrang zu bemerken. Melanie Schüer betont: „Das sollte man dem Kind aber gut erklären und es liebevoll begleiten, damit dies keinen Stress auslöst. Was du tun kannst, weiß am besten ein Kinderarzt/eine Kinderärztin.
Absorbierende Pyjamahöschen sorgen für Entlastung
Zudem gibt es für ältere Kinder spezielle absorbierende Höschen. Sie können das Bettnässen nicht wegzaubern, sorgen aber für ein trockenes Bett und damit für Entspannung im Enuresis-Alltag. Einige Kinder lehnen solche Höschen ab – sie haben Angst, deswegen gehänselt zu werden oder wollen keine „Windeln“ tragen. Das ist besonders der Fall, wenn Bettnässen bei Schulkindern auftritt.
¹ Deutsche Kontinenzgesellschaft e. V., Infobroschüre: DKG_Enuresis_07-19.pdf (kontinenz-gesellschaft.de).
² Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) – Leitlinie S2k: Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen.
³ Pampers Break the Bedwetting Taboo research, durchgeführt im Dezember 2021 im Vereinigten Königreich.
⁴ Devlin et al 1990, Glazener et al 2014.
Pampers Interview mit Dr. Nicola Klün, Kinderärztin, und Melanie Schüer, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Expertin bei Elternleben.de.
Unsere Expertinnen:


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